Kung Fu im Wudang Dao e.V.

Geschichte des Kung Fu

Im alten China war Kampfkunst vor allem zum Kämpfen da. Das scheint selbstverständlich zu sein, ist es aber nicht. Denn der Großteil dessen, was heute als Kung Fu unterrichtet wird, eignet sich dafür nur bedingt. Unser Bild von chinesischen Kampfkünsten ist im wesentlichen von Filmen geprägt. Kung Fu Geschichte KölnDas gilt nicht für Europäer, sondern auch für die Mehrzahl der Chinesen und vermutlich sogar für die meisten Menschen, die selbst Kampfkunst praktizieren - in China wie auch im Rest der Welt. Spektakuläre Akrobatik mit gesprungenen Tritten, geheime Techniken und die Fähigkeit, durch jahrzehntelange Meditation eine übermenschliche Energie in sich zu erzeugen - das sind einige der Elemente, die dieses Bild ausmachen. Mit dem, was Kampfkunst im alten China war, hat das nur wenig zu tun.

Kampfkunst war ein Bestandteil des täglichen Lebens. Man praktizierte es in der Armee, in der Familie, im Dorf oder als Leibwächter. Im Vordergrund stand zunächst der militärische Nutzen. Der ist bei spektakulären Tritten und anderen Stunts gering.

Die meisten Kampfkünstler fanden ihr Auskommen in der Armee oder in den örtlichen Bürgerwehren der Dörfer, die sich gegen Banditen schützen mussten, weil auf die Armee kein Verlass war. Eine Reihe von ihnen arbeiteten als Leibwächter. Aber auch diese Leibwächter hat man sich nicht als Übermenschen vorzustellen, die es allein mit zehn oder zwanzig Banditen aufnehmen konnten. Sie waren versierte Kämpfer, zeichneten sich aber ebensosehr durch ihre Fähigkeit aus, mit Hilfe von diplomatischem Geschick und guten Beziehungen Zwischenfälle zu vermeiden.

Schließlich fanden die Kampfkünstler in der Oper und auf Jahrmarkt ihr Auskommen. Für diese Theaterdarbietungen dienten die spektakulären und akrobatischen Elemente. Von dort fanden sie dann ihren Weg in den Film.

Auch in den Klöstern diente die Kampfkunst zunächst dazu, sich gegen Überfälle wehren zu können. Ein Großteil des Trainings dürfte den Waffen gewidmet worden sein. Obwohl auch hier zunächst der praktische Nutzen im Vordergrund stand, konnte die Verbindung mit philosophischen und religiösen Inhalten kaum ausbleiben. Der Mönch, der täglich trainierte, um den Tempel zu bewachen, und der zugleich meditierte, verband beide Elemente schließlich. So entstand die Meditation in Bewegung.

Klöster wie die in den Wudang Bergen waren zugleich militärische Zentren. Kampfkunst und Religion standen hier in ständigem Austausch. So gab es neben der überwältigenden Anzahl von rein pragmatisch orientierten Kämpfern, immer auch Orte, an denen die Kampfkünste in daoistische und buddhistische Traditionen eingebunden wurden. In den Wudang Bergen etwa entstand ein Kampfstil, der mit seinen schlangengleichen fließenden Bewegungen das daoistische Ideal vom ewigen Fluss der Dinge umsetzte.

Als sich im 19. Jahrhundert die modernen Feuerwaffen verbreiteten, begann der praktische Nutzen der Kampfkunst in den Hintergrund zu treten. Leibwächter rüsteten sich mit Revolvern aus und Kung Fu hörte auf, eine Fähigkeit zu sein, die das schiere Überleben sicherte. Es wurde stattdessen zum Weg menschlicher Vervollkommnung und moralischer Läuterung und entwickelte sich dabei in zwei Richtungen weiter: Kampfkunst wurde zum gesundheitsfördernden oder wettkampfmäßig betriebenem Sport, sie verband sich auf der anderen Seite ganz und gar mit den philosophischen und religiösen Traditionen Chinas und wurde praktizierte chinesische Philosophie. So wurde um 1900 auch die Verbindung von Kampfkunst und daoistischer Philosophie systematisch ausgearbeitet, aufgeschrieben und für ein breites Publikum erklärt. 1894 reiste der Kampfkünstler Sun Lu Tang in die Wudang Berge. Als er von dort zurückkehrte, publizierte er eine Reihe von Büchern, die innere Kampfkunst und Daoismus miteinander verflechten und die bis heute das allgemeine Verständnis von Baguazhang, Xingyiquan und Taijiquan prägen. Neben sportlichem und philosophischem Kung Fu blühte auch die alte Jahrmarkts- und Theatertradition neu auf und ging schließlich etwa in der Person von Jackie Chan- nahtlos von der Pekingoper in den Film über.

Als die chinesische Armee Anfang des Jahrhunderts nach einer Methode suchte, um die Soldaten innerhalb kurzer Zeit für den waffenlosen Nahkampf auszubilden, griff man bezeichnenderweise auf westliches Boxen zurück und reicherte es mit Ellenbogentechniken, Tritten und Würfen aus der chinesischen Tradition an. Daraus entstand das chinesische Boxen, das heute in Vollkontaktwettbewerben ausgetragen wird. Die traditionelle chinesische Kampfkunst wurde in der rein sportlich orientierten Variante zum modernen Wu Shu, einer Art Kunstturnen. Sie wurde auf der anderen Seite zu einem Weg, Charakter, Persönlichkeit und Körper zu entwickeln und kann dabei auch als quasi philosophische Kampfkunst betriebenwerden. Wie stark dabei die Fähigkeit geschult wird, sich selbst zu verteidigen, hängt ganz von den Trainingsschwerpunkten ab, die eine Schule setzt. Wir streben eine solide Basis in der Selbstverteidigung an und praktizieren ansonsten ein ganzheitlicheres Training als es in einem rein auf Kampf ausgerichteten Stil möglich wäre.


Tel.: 02234 9187694.

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